Selfcare als Solo-Selbstständiger

„Ich denke, es ist besser, wenn wir nicht weiter zusammenarbeiten.“

Schweigen.

„Bist Du noch da?“

„Ja!“, sagt die andere Stimme in der Leitung.

Ich fühle, seine Kränkung und überlege kurz einen Rückzieher zu machen, aber dann prescht ein Schwall von wüsten Beschimpfungen auf mich ein und ich weiß, es ist die richtige Entscheidung.

Wann ist es an der Zeit einem Kunden zu kündigen?

Gerade als Startup freut man sich RIESIG über jeden neuen Kunden. Es hat immer etwas von Aufbruch und Neuanfang, der es gewissermaßen ja auch ist. Wie es gut man zusammenpasst, sieht man, wie in jeder Beziehung, erst im Laufe der Zeit. Manchmal passt es und manchmal eben nicht. Daher don´t worry, wenn es nicht für immer ist.

Die gute Nachricht aber gleich vorweg: Die meisten Kundenbeziehungen sind toll und verlaufen ohne Probleme. Dennoch weiß man, besonders wenn man schon länger selbstständig ist, dass es eben auch immer mal wieder vorkommen kann, Kundenbeziehungen beenden zu müssen. Das kann unterschiedliche Gründe haben und muss auch nicht durch eine Streitigkeit verursacht werden. Du kannst also aufatmen.

Die weniger gute Nachricht ist, dass es manchmal eben doch unschöne Gründe gibt „Schluss zu machen“. Es dauert ein wenig bis man auch als Unternehmer erkennt, was/ wer einem guttut und wann es Zeit ist zu gehen. Dabei ist es völlig egal, wie groß Dein Unternehmen ist, Du Solo-Selbstständiger bist oder Mitarbeiter hast.

Das Schöne am Selbstständig sein ist eben auch genau das: Selbst und ständig. Daher solltest Du auch sehr behutsam mit Deinen Ressourcen haushalten. Das heißt natürlich nicht, dass Du nicht 100% in Deinem Job bringen solltest. Ganz im Gegenteil, Du hast anders als jeder Angestellte, die Möglichkeit genau zu überlegen, bei wem Du 100% geben kannst und Dich dann entscheiden, ob Du das (noch) möchtest oder es Zeit wird zu gehen.

Hier sind drei karikierte Kundentypen bei denen Du schnell wieder das Weite suchen solltest; und zwar ohne irgendein schlechtes Gewissen. Nimm die Beine in die Hand bei:

Der Bezahlungsmuffel:

Klar, man vergisst immer mal was. Jeder von uns hat bestimmt schon mal eine Rechnung übersehen. Meistens erschrickt man dann, wenn die Erinnerung reintrudelt, entschuldigt sich tausendmal und überweist den offenen Betrag sofort. Beim Bezahlungsmuffel ist das Nichtbezahlen chronisch. Selbst nach dem Erinnern und Versprechen „das Geld kommt“, wartest Du ewig. Spätestens beim dritten Mal Rechnungen stellen und nachhaken, bist Du so genervt, dass Du bei jeder Bitte von der Kundenseite „Kannst Du das auch noch mal kurz machen“, denkst „Bezahl Du erst mal Deine Rechnungen“.

Das Vertrauensverhältnis ist dahin und Deine Motivation 100% zu bringen auch. Lass ihn ziehen. Er wird sich nicht ändern und Du brauchst Deine Energie eher für anderes.

Der Immer wieder Änderer

Der-immer-wieder-Änderer findet kein Ende im Anpassen, abändern und bitte-neu-machen- Wünsche. Das wäre auch im Grunde gar nicht soooo schlimm (auch wenn man ja irgendwann schon gerne ein Ergebnis hätte), das Problem ist hier oft, dass es sich mit dem Bezahlungsmuffel und 24/7 Typen vermischt. Bezahlen möchte der Immer-wieder-Änderer diese Leistungen nämlich nicht und pocht beharrlich auf endlose Korrekturschleifen, die ihm als Kunde zustehen. Um genau diesem Punkt zu umgehen, halte bitte in Deinen Verträgen unbedingt die genaue Anzahl der Änderungen fest und beziffere die Kosten für weitere Änderungen mit festen Preisen. Er wird es dennoch immer wieder probieren, aber zumindest hast Du dann vorgesorgt.

Oft vermischen sich die drei Typen auch in einem und man merkt immer erst im Anschluss, wie sehr man darunter gelitten hat. Denk immer daran, dass Du das Kapital Deines Unternehmens bist. Du musst daher sehr lieb zu Dir selbst sein und auf Dich aufpassen.  Die Energieräuber saugen einen förmlich aus und am Ende danken sie es Dir mit einer schlechten Google-Bewertung und zusätzlichen Inkassokosten.

Der 24/7 Erwarter:

Der 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Typ ist erst in den kommenden Monaten häufiger aufgepoppt. Er erwartet permanente Erreichbarkeit, und zwar über sämtliche Kanäle. Du bekommst Mails, SmS, Whatsapp Nachrichten, Anrufe und Instagram Directmessages, wenn Du nicht sofort zurückrufst.

Uff, ein unglaublich kräfteraubender Typus, ganz besonders, weil es auch ein bisschen gruselig ist, wenn Du plötzlich von allen Seiten „bombardiert wirst. Es hat ein bisschen was vom Netflix-Hit „You“. Daher registriert der 24/7 Erwartet das Gruselige an der Sache überhaupt nicht. Auch Bitten und Erklärungen von Dir helfen da nicht. Er will Dich ganz für sich allein und zwar immer.

Bei ihm ist kein Kraut gewachsen. Er wird sich nicht ändern, denn er weiß nicht, was er da tut. In seinen Augen kommst Du Deinen Verpflichtungen als Dienstleister einfach nicht nach, wenn Du nicht sofort springst. Geh am besten sofort, wenn Du kannst. Nur so, wirst Du ihn los und kannst Dich wieder gewissenhaft auch um Deine anderen Kunden kümmern.

Die Kunst beim 24/7-Erwarter ist mit der Kündigung keine böse Nachrede zu erzeugen. Auf dem Gebiet ist er nämlich ganz ganz schnell. Der negative Google-Eintrag ist schnell verfasst und Du ärgerst Dich noch lange weiter über ihn. Versuch daher eher sanft herauszuschlüpfen.

Wer nun glaubt, das sind ja alles Männer, der irrt. Frauen sind auf dem Gebiet ganz genauso gut, wie ihre männlichen Kollegen.

Wie nun aber Vorbeugen?

In erster Linie höre immer auf Deinen Bauch. Er sagt Dir sicher schon im Vorfeld, da stimmt was nicht.

Setz Deine Verträge außerdem so auf, dass auch Deine Kündigung geregelt ist. Es geht schließlich, um eine Beziehung. Da gehören mindestens zwei Parteien zu.

Sei auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses professionell. Es tut Dir gar nicht gut schlecht über andere zu reden. Mit Stillschweigen fährst Du meistens besser.

 

Nach der ersten schlechten Erfahrung wirst Du Deine „lieben“ Kunden noch mehr zu schätzen wissen und bei ihnen mehr als 100% geben. Das Schlechte hat wie oft auch etwas Gutes für sich.

 

Dich interessiert das Thema Business starten? Dann melde Dich immer gerne bei uns.

Geschrieben von Mary Rudloff