Im Interview mit Instagramerin Tanja Jager

Wie fühlt es sich an 160.000 Instagramfollower zu haben?

Ich habe tatsächlich keine Ahnung, finde die Zahl aber sehr beeindruckend, denn meine Accounts sind über die 3000 Follower-Marke bisher nicht hinaus gekommen. Das ist für mich aber kein Grund zum Trübsal blasen, dennoch bin ich natürlich neugierig, was das Erfolgsgeheimnis hinter so einer Reichweite ist.

Vor ein paar Monaten habe ich drei Accounts vorgestellt, die über Instagram nur gejammert haben. Es gibt aber auch andere. Die die einfach machen und sich von keinem Algorithmus aufhalten lassen. Tanja Jager ist so eine Macherin. Im Gespräch mit ihr staunte ich nicht schlecht, wie strukturiert, sie ihren Alltag angeht, um Beruf und Freizeit unter einen Hut zu kriegen. Beides zu kombinieren, ist nämlich gar nicht so einfach und auch meine größte Herausforderung jeden Tag.

MagSALUT: Tanja, Magst Du Dich kurz vorstellen:

TanjaJager: Mary, lieben Dank für die Einladung. Du bist tatsächlich, die Erste, der ich ein Interview gebe. Dementsprechend aufgeregt bin ich. Im Alltag bin ich nämlich eher eine von den Ruhigen. Wahrscheinlich habe ich mich daher auch für eine Arbeit im Laborkittel entschieden. Ich bin MTA in einem großen Medizinlabor in Luxemburg und liebe meine Arbeit über alles. Kleine Teilchen genauer zu bestaunen, begeisterte mich von klein auf an und hat sich bis heute nicht geändert. Der Rest in meinem Leben ist ebenfalls ziemlich normal, sofern man heutzutage noch von normal reden sollte. Ich bin seit über 20 Jahren sehr glücklich verheiratet, habe einen wunderbaren Sohn, der gerade sein Physikum bestanden hat und lebe im wunderschönen Dreiländer-Eck Deutschland, Frankreich, Luxemburg.

MagSALUT: Wofür steht jagta8?

TanjaJager: Ich muss ehrlich zugeben, der Name ist rückwirkend sehr einfallslos. Maurice, mein Sohn, hat vor ein paar Jahren mit Instagram gestartet und ich wollte als Mama natürlich ein Auge draufhaben, was er da so treibt. Beim Erstellen des Accounts brauchte ich schnell einen Namen. Da sind mir prompt nur die Anfangsbuchstaben meines Namens und meine Glückszahl 8 eingefallen. Daraus ist dann eben @jagta8 geworden und bis heute geblieben.

 

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MagSALUT: Du hast aktuell 160.000 Instagramfollower. Wie hast Du das geschafft?

TanjaJager: Maurice hat im Urlaub ein paar Schnappschüsse im Sommerkleid von mir gemacht und mich anschließend geradezu überredet diese bei Instagram online zu stellen. Dass der Account so schnell wachsen würde, hätte ich nie gedacht. Anscheinend habe ich aber einen Nerv getroffen und hatte wahrscheinlich auch etwas Glück gehabt, denn relativ schnell wurde ich von den ganz großen Instagramseiten wie wie @perfect_fashion_styling oder @italy_top_fashion gefeatured. .

Mir war allerdings von Anfang an klar, dass ich meinem Stil treu bleibe und keinen Trends hinterherlaufe. Eine Frau in meinem Alter weiß, was ihr steht. Ich glaube, viele Frauen fühlen sich dadurch inspiriert und bekommen zusätzlich noch Anregungen, wie sie ihre Basics im Alltag abwechslungsreich kombinieren können.

„Anscheinend habe ich aber einen Nerv getroffen und hatte wahrscheinlich auch etwas Glück…“

MagSALUT: Wie viel zusätzliche Stunden verbringst Du neben Deinem Brotjob auf Instagram?

TanjaJager: Puh, das ist mittlerweile ein richtiger zweiter Job geworden. Auch wenn ich wie oben erwähnt etwas Glück hatte, steckt auch viel Arbeit dahinter. Am Anfang waren es immer nur ein paar Stunden liken und kommentieren auf anderen Kanälen. Diese neue Welt war so anders im Vergleich zu meinem Alltag, daher war ich fasziniert und akribisch in der Kommunikation. Ich wusste damals nicht, dass dieser Fleiß sich mal auszahlen würde. Es hat mir einfach Freude bereitet, mich mit den anderen auszutauschen.

Mittlerweile ist meine Mama mit an Bord und unterstützt mich bei der Arbeit auf Instagram. Ich habe für Dich mal ausgerechnet wie viele zusätzliche Stunden ich pro Woche mit Instagram mindestens einplanen muss und war selbst überrascht. 25 Stunden sind es nämlich mindestens; meistens sogar mehr.

Es kommen halt doch viele Einzelschritte zusammen, schließlich muss ich die Outfits für meinen Kanal planen, mir das Setting für die Bilder überlegen, dorthin fahren zum Fotografieren, die Bilder bearbeiten und onlinestellen und dann natürlich weiterhin mit meiner Community im Austausch bleiben. Der enge Kontakt mit meinen Followern ist nach wie vor, das Wichtigste für meine Arbeit.

Seit kurzem bin ich auch regelmäßig mit Kooperationspartnern in Gesprächen, was zusätzlich Zeit beansprucht. Der Tag muss daher gut durchgeplant sein.

Als Influencer ist man ja schließlich freischaffend tätig und muss sich anders als als Angestellte, um alles selbst kümmern.

 

MagSALUT: Du hast trotz Deines schnellen Erfolges erst vor kurzem begonnen, Dich zu professionalisieren. Warum erst so spät?

TanjaJager: Na ja, es war lange ein reines Hobby von mir. Ich bin nun mal ein kleiner Fashionvictim und liebe schöne Kleidung über alles. Außerdem wusste ich gar nichts von den Möglichkeiten eines Influencers. Das habe ich erst nach und nach über Gespräche mit anderen erfahren und selbst dann war ich noch vorsichtig. Ich sagte ja bereits, ich bin eher eine Stille. Bevor ich ins trübe Wasser steige, habe ich mir erst mal Rat geholt. Da kommt der Labor-Nerd wahrscheinlich durch. Erstmal alles auseinandernehmen und unter der Lupe betrachten. Ich wollte aber wissen, was mich erwartet, wenn ich mit Kooperationspartnern spreche und wie ich das alles angehe. Als Influencer ist man ja irgendwie freischaffend tätig und muss sich anders als als Angestellte, um alles selbst kümmern. Welche Preise darf ich verlangen, wie mache ich auf mich aufmerksam, wie kennzeichne ich Werbung usw. Alles komplettes Neuland für mich.

 

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Tanjas Instagram To Do´s

  • Outfits planen und zuhause vorstylen
  • Location zum Shooten finden (ggfls. Drehgenehmigung erfragen)
  • Bilder shooten
  • Bilder bearbeiten
  • Onlinestellen 
  • Austausch mit der Community
  • Gesprächsverhandlungen und Netzwerken mit Vertragspartnern

Circa 25 bis 30 Stunden Arbeitszeit pro Woche

 

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MagSALUT: Was wünscht Du Dir von der Kundenseite?

TanjaJager: Also, die ersten Gehversuche im Gespräch mit möglichen Kunden waren für mich sehr befremdlich. Anfragen wurden teilweise gar nicht beantwortet oder es sind welche, die einfach nicht zu mir und meinem Account passen. Da wünsche ich mir von Seiten der Kunden bessere Recherchearbeit. Ich als bekennende High Heel Trägerin möchte keine Reklame für Gesundheitsschuhe machen. Das passt einfach nicht.

Ich muss außerdem doch immer wieder schmunzeln, wenn die Kolleginnen etwas zickig und von oben herab reagieren. Stichwort, der Teufel trägt Prada …

Schwierig ist wahrscheinlich auch, der oft zu große Altersunterschied. Die PR-Frauen sind meistens über 20 Jahre jünger als ich. Ich bin für sie eine völlig unbekannte und tatsächlich zum Teil auch alte Frau. Das ist natürlich lächerlich, aber als ich 23 gewesen bin, ging es mir ähnlich. Die Diskrepanz ist oft zu groß und auch wenn ich viele Follower habe, möchten die jungen Frauen natürlich lieber mit Gleichaltrigen arbeiten. Das verstehe ich total, sage aber auch, dass wir Ü30, Ü40, Ü50 und Ü60-Frauen großartig und modisch sind. Hinzu kommt, dass meine Zielgruppe, sich die Klamotten, die ich zeige, auch leisten kann. Ich wünsche mir da einfach mehr Offenheit auf Seiten der Kunden/ Agenturen.

Extra-Tipps von @jagta8

Instagram-Tipps

 

  • Konzentriere Dich auf die Aussage Deines Kanals
  • Bilde eine Community
  • Sei aktiv
  • Verliere den Spaß nicht
  • Sage auch mal nein bei Kooperationsanfragen

MagSALUT: Was sind Deine Tabus auf Instagram?

TanjaJager: Ich bin und bleibe eine Modeoutfitseite, daher fallen viele Aspekte meines Privatlebens auf Instagram einfach weg. Meine Familie oder mein Kleiderschrank passen in meinen Augen einfach nicht zur Aussage von @jagta8, daher zeige ich sie auch nicht. Manchmal poste ich ein Bild mit meinem Sonnenschein auf vier Pfoten. Balu ist mein Bordercollie mit dem ich einen großen Teil des Alltags verbringe. Aber auch das kommt nur selten vor, auch wenn ich weiß, dass die Bilder mit ihm immer sehr süß sind. Ich trenne das eben einfach strikt.

Ich glaube auch, dass das etwas ist, was die Leute bei mir gar nicht erwarten würden. Sie möchten stilvolle Outfitinspirationen für ihren Alltag bekommen, keine lustigen Bilder aus meinem Privatleben.

Stilvoll ist auch ein schönes Stichwort für meine Tabus. Ich zeige nämlich nie, zu viel nackte Haut. Ich finde einfach, dass Weiblichkeit nicht gleichzusetzen ist mit Nacktsein, wenn Du verstehst, was ich meine.

 

MagSALUT: Wem folgst Du selbst auf Instagram und warum?

TanjaJager: Ich folge hauptsächlich kleineren Accounts von Menschen, die mich inspirieren. Ich mag Ecken und Kanten und daher eben auch Accounts von echten Menschen.

 

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MagSALUT: Was dürfen wir in Zukunft von Dir erwarten?

TanjaJager: Hui, das ist eine schwierige Frage. Man hat ja immer viele Träume und Wünsche, aber ob die so realistisch sind, ist fraglich. Was ich mir allerdings wirklich sehr gut vorstellen könnte, wäre eine eigene Basiclinie in Kooperation mit einem Brand herauszubringen. Es gibt einfach zu wenig qualitative nachhaltige und gleichzeitig gutsitzende Basics. Immer ist irgendwas zu kurz, zu lang oder aus synthetischen Materialien. Dabei ist ein gutsitzendes Basic die Basis für jeden zeitlosen Look.

Ein gut sitzendes Basic ist die Basis für jeden zeitlosen Look.

Danke, liebe Tanja für diese schönen Einblicke. Ich bin gespannt, wie es bei Dir weitergeht und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

Ahoi und Salut,

Mary-Ellen

Bildquelle: @jagta8

Geschrieben von Mary Rudloff