Die häufigsten Fehler bei der Ansprache an Influencer und wie Du sie vermeidest

Teil I

 

Seit vielen Jahren arbeite ich mit Influencern zusammen. Ich habe viele Kampagnen geplant und meistens auch direkt mit den passenden Gesichtern umgesetzt. Nun habe ich die Fronten gewechselt und bekomme selbst Kooperationen vorgeschlagen. Naja, vielmehr mein Hund Gustav, denn die kleine Fellnase ist ein Petfluencer. Das war nicht geplant, aber unverhofft kommt ja bekanntlich oft.

Seitdem wir die magische Grenze von 10.000 Followern auf Instagram erreicht haben, trudeln beinah täglich Anfragen bei uns ein. Ich muss gestehen, das ist immer noch ungewohnt für mich und ich kann nun noch besser verstehen kann, wie Influencer angesprochen werden möchten. Fakt ist aber, dass viele Unternehmen es nicht schaffen, wahrgenommen zu werden bzw. sofort eine Absage erhalten. Warum ist das so?

Ich persönlich habe nur sehr selten solche Erfahrungen bei der Ansprache mit Influencern gemacht. Die Gespräche mit möglichen Partnern waren immer herzlich und offen für Ideen. Umso spannender ist es nun zu erleben, wie die Kommunikation von der anderen Seite in Wirklichkeit ist. Hier kommen daher die häufigsten Fehler bei der Ansprache von Influencern und wie Du sie vermeidest.

Fakt ist, dass viele Unternehmen es nicht schaffen, wahrgenommen zu werden bzw. sofort eine Absage erhalten.

Es gibt tatsächlich immer noch zu viele Unternehmen/ Agenturen, die Rundmails für Kooperationsanfragen verschicken.

First things first: Warum tut ihr das? Ich frage mich ernsthaft, ob eine Rundmail jemals funktioniert hat. Ich kenne tatsächlich auch nach all den Jahren nicht einen Influencer, der auf so was reagiert. Wenn ihr als Unternehmen angefragt werdet, soll es doch auch immer individuell und herzlich sein.

Wer sich nun fragt, wie so eine Rundmail aussieht, hier ist ein aktuelles Beispiel dafür.

Hallo,

ich bin Sabine und arbeite für die Agentur …. Ich finde Deinen Account sehr spannend und glaube die Produkte unseres Kunden … würden sehr gut zu dir passen. Wenn Du Interesse hast, findest Du hier im Link unser Influencer Briefing und meinen Kontakt für die Umsetzung.

Viele Grüße

Sabine

Aus Influencersicht kann ich Dir direkt sagen, dass Du Dir meine Seite nicht mal angeschaut hast. Du hast Deinen Verteiler aufgemacht, copy, paste und senden gedrückt und dann abgewartet.

Würdest Du als Unternehmen auf eine Mail dieser Art reagieren? Wahrscheinlich nicht. Wenn Du überhaupt antwortest, wäre es eine standardisierte Nachricht, die ähnlich lieblos wie die Mail oben ist.

Überlege Dir daher mal diese Alternative. Anstatt auf Masse zu setzen, nutze die Zeit vor der Anfrage, um Dir folgendes zu überlegen:

  • Was ist das Ziel Deiner Anfrage? Möchtest Du bekannter werden, Dich verjüngen, eine Community aufbauen, eine Produktneuheit vorstellen, Termin verkünden usw.? Schreibe Dein Ziel genau auf und hol es bei der Mail, die Du versendest, wieder raus.
  • Wen möchte ich überhaupt erreichen? Also wer ist Deine Zielgruppe. Das ist ganz wichtig, denn nur mit dieser Info kannst Du Dir die richtigen Gesichter für Deine Sache/ Produkt/ Unternehmen finden.
  • Plane Zeit ein für die Recherche. Es geht hier schließlich um Menschen, die für Dich Werbung machen sollen. Sie sollen Deine Werte widerspiegeln und Dich erstrahlen lassen. Es ist also eine wichtige Aufgabe, die Zeit benötigt. Also Smartphone in die Hand und suchen.
  • Habe ich ein Budget? Wenn ja, wie hoch ist es. Wenn Du keines oder nur ein sehr Kleines hast, überlege Dir, was könnte ich anderenfalls für einen Mehrwert bieten? Es ist nämlich ein Irrglaube, dass Du nur mit großen Summen mit Influencern arbeiten kannst. Besonders viele Mikroinfluencer sind bezahlbar, wenn Du das passende Produkt für deren Kanal hast. Aber auch hier gilt, was ist Dein Ziel? Mit 500 Euro wirst Du keine große Kampagne starten können. Musst Du aber vielleicht auch gar nicht. Wenn Du zum Beispiel eine kleine Boutique in Hamburg Eppendorf hast, die am Donnerstagabend zum Late Night Shopping mit Sektchen einlädt, schau viel eher, welche Facebook und Instagram Accounts sind in Deiner Nähe. Das müssen keine großen Accounts sein. Lade sie persönlich zu Deinem Event ein, biete ihr eine Ausstattung an und frage, ob sie für kleines Geld ihren Freunden auf FB und Instagram von der Einladung erzählt. Mach das mit 5 unterschiedlichen Leuten und Du wirst sehen, Dein Investment hat sich mit einem vollen Haus gelohnt.

Um meine Empfehlung rund zu machen, kommt hier noch ein Mail-Beispiel, wie der/ die Boutiquebesitzer*in, die recherchierten Influencer anschreiben könnten:

 

Liebe Lisa,

ein herzliches Hallo aus der Nachbarschaft. Ich bin Sabine und Inhaberin der kleinen Second Hand Boutique am Isemarkt. Bestimmt bist Du schon ein paar Mal bei uns am Schaufenster vorbeigelaufen, heute möchte ich Dich zum Hereinkommen einladen.

Ich veranstalte am 12. Mai 2021 ab 19.00 Uhr ein kleines Come together mit Leuten, die hier wohnen. Ich habe auf Deinem schönen Instagramkanal gesehen, dass Du Dich sehr für Designer- und Vintage-Mode interessierst. Das geht mir tatsächlich genauso. Ich liebe es einfach, wenn Kleidung eine Geschichte hat und diese weitererzählt wird.

Vielleicht hast Du daher Lust vorbeizuschauen. Ich zeige Dir gerne alles in Ruhe und Du kannst nach Herzenslust anprobieren. Das würde mich sehr freuen.

Wenn Du möchtest, kannst Du meine Einladung gern auch über Deine Social Media Kanäle teilen. Als Gegenzug würde ich mich natürlich bedanken und Du könntest Dir hier bei mir etwas Schönes im Wert von 50 Euro aussuchen. Was meinst Du?

So oder so, schau unbedingt mal vorbei und sag Hallo.

Ich freu mich.

Herzlich,

Sabine

Kurz, knackig, aber dennoch herzlich. Auf so was reagiert man doch gerne.

Anfragen, die nur mit Hallo starten, landen bei mir sofort im Papierkorb.

Warum sprichst Du mich in Deinen Mails nicht mit Namen an?

Ganz ehrlich, die meisten Namen sind irgendwo auf der Seite ersichtlich. Warum schreiben dann so viele einfach „Hallo,“? Dieser kleine Blick auf den Account, den man anschreiben möchte, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber leider nicht. Und selbst wenn der Name wider Erwarten nirgendwo zu finden ist, kann man immer noch schreiben, „Hallo liebes xyz Team,“. Das ist wesentlich netter als ohne namentliche Ansprache.

Anfragen nur mit Hallo kommen bei mir direkt in den Mülleimer. Das hat den Grund, dass wir uns einfach von Beginn an nicht auf Augenhöhe treffen. Denn ich möchte mit Gustavs Account schönen, abwechslungsreichen und besonderen Content erstellen. Genauso sollen also auch mögliche Partner sein. Ohne die persönliche Anrede weiß ich sofort, Du suchst nur irgendwen, nicht aber mich bzw. jemanden, der wirklich zu Deinem Produkt passt.

Es hat ein bisschen was von einer Datingplattform. It`s a match oder wie es so schön heißt, nur eben auf einer anderen Ebene. Und damit kommen wir auch schon zu Punkt 3.

Warum antwortest Du plötzlich nicht mehr?

Das Arbeiten mit Influencern ist ein Marathon, kein Sprint. Es muss also langfristig gedacht und gehandelt werden. Ganz besonders weil die Branche auch so klein ist. Einmal unten durch, immer unten durch. Daher ist das Ghosting, um in der Datingsprache zu bleiben, ein absolutes No Go. Dennoch scheint es aber die Regel zu sein, denn viele Unternehmen antworten gar nicht mehr, nachdem man zurückgeschrieben hat. Sie sind einfach nicht mehr erreichbar.

Bleiben wir bei der Beispielmail von Sabine ganz oben des Textes. Sie gibt dort genaue Anweisungen, wie ich die Möglichkeit habe mit ihr zu kooperieren und sie zu erreichen. Ich antworte Sabine, stelle Fragen, zeige Interesse und dann kommt nix mehr. Pustekuchen.

Hmh, die feine englische Art ist das nicht, besonders wenn Sabine fleißig ist und mehrfach hintereinander ihre Massenmails an uns versendet. Spätestens beim dritten Mal ist jeder raus und für Sabine nicht mehr erreichbar.

Es muss dabei nicht immer eine Massenmail sein. Auch auf individuelle Anfragen wird plötzlich nicht mehr reagiert. Das ärgert einen natürlich, weil man Zeit investiert hat. Sabine macht das natürlich nicht mit Absicht, trotzdem ist es schwer, auf diese Weise mit ihr einen langfristigen Kontakt herzustellen. Dabei ist dies das Entscheidende beim Arbeiten mit Influencern. Wer heute vielleicht nicht zu Deinem Produkt/ Event/ Unternehmen passt, kann es morgen eben doch tun. Daher sei transparent und offen auch in Deinen Absagen. Der Influencer wird es Dir danken und beim nächsten Mal gerne wieder reagieren.

Du musst übrigens keinen Roman schreiben, um abzusagen. Das kann wieder kurz und knackig sein. Schau mal hier:

Liebe Jennifer,

lieben Dank an Dich für Deine Rückmeldung. Es freut mich Dich auf diesem Wege kennenzulernen. Leider muss ich Dir nun dennoch absagen. Ich würde Deine Kontaktdaten aber gerne behalten, wenn das OK ist. Wir haben so viele Projekte und können bestimmt an anderer Stelle zusammenkommen.

Bei Fragen jeder Art melde Dich gerne.

Herzlich,

Sabine

Du siehst, es ist bisher kein Hexenwerk mit Influencern zu kommunizieren. Gute Kinderstube und Planung im Vorfeld reichen vollkommen. Probiere es gerne mal aus und berichte mir.

Ich freu mich.

Mary-Ellen

PS: Du hast weitere Fragen zu Social Media und Deinem Unternehmen? Dann melde Dich immer gerne bei uns.

Geschrieben von Mary Rudloff